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Das 19. Jahrhundert

Wie heute wohl jeder weiß, hat sich das Footballspiel aus dem Rugby entwickelt. Rugby war ein kleines, 27.000 Seelen zählendes, Städtchen in England. Wie überall spielte man dort Fußball.
1823 sorgte ein Spieler namens William Webb Ellis für eine Revolution, als er sich während eines Fußballspiels frustriert den Ball unter den Arm klemmte, und damit über die Torlinie rannte. Daraus entwickelte sich schnell das Rugbyspiel. Dessen Popularität steigerte sich so schnell, daß sich die normalen Fußballer 1863 zusammenschlossen und die Football Association gründeten, als Schutz gegen das Rugby Unwesen.
Auch an Amerikas Universitäten spielte man zu dieser Zeit nur Fußball.

 

Das dunkle Zeitalter

Bereits 1967 wurden die ersten vom Rugby abweichende Regeln ersonnen, die sogenannten Princeton Rules.
Zwei Jahre später, am 6.11. 1969, fand in New Brunswick, New Jersey, ein Spiel zwischen Rutgers und Princeton nach eben diesen Regeln statt. Diese Geburtsstunde des Footballs gewann Rutgers mit 6:4. Das Rückspiel eine Woche später gewann Princeton mit 8:0
Doch auch andere Universitäten bearbeiteten die primitiven Rugbyregeln. Etwa 1870 entwickelte die Harvard Universität aus dem unkultivierten Rugbygeschubse ein eigenes, das Boston Game, bei dem der Ball auch geworfen werden durfte. Da alle anderen Universitäten in Amerika, wie Princeton und Yale, jedoch in der Football Association zusammengeschlossen waren, fehlte es an Gegnern. Dieses Problem löste Harvard, indem man gegen die McGill Universität von Montreal spielte. Da man dort jedoch nur Rugby spielte, einigte man sich darauf, zwei Spiele auszutragen und zwar eines nach Rugbyregeln und ein weiteres nach den Regeln des Boston Games. Dieses Spiel fand am 15. Mai 1874 statt, und die Amerikaner entdeckten schnell ihre Faszination für das, damals noch relativ runde, Lederei. Das Boston Game überzeugte die führenden Colleges, die sich zu einem neuen Verband formierten.
Für dieses Spiel wurde übrigens die Spielerzahl von 15 auf 11 reduziert. Das war eine erste klare Trennung vom ursprünglichen Rugby. Außerdem sprach man einem Team den uneingeschränkten Ballbesitz zu, bis zu dem Moment, wo der Ball vom Center nach hinten gegeben wurde. Zusätzlich wurden noch die Maße des Spielfeldes auf 110 x 53,3 Yards festgelegt, was damals, rein zufällig, genau den Maßen des Spielfeldes in Harvard entsprach.
Die Reduzierung auf 11 Spieler entsprang allerdings einem Zufall. Vier Spieler des McGill Teams waren krank und konnten nicht antreten. Wären sie gesund gewesen, wer weiß, dann würde Football heute vielleicht noch mit 15 Mann gespielt.

1882 wurden zum ersten Mal echte Downs eingeführt. Man hatte jetzt drei Versuche, um fünf Yards Raumgewinn zu erzielen. Weiterhin ging man daran, einen Touchdown viermal höher zu bewerten, als ein Field Goal, dem ursprünglichen Ziel jeder Art von Fußball. Zwei Safeties wiederum waren genausoviel wert, wie ein Touchdown.
Erst 1912 wurden die Regeln so festgelegt, wie sie in etwa auch heute noch gelten.

Ab 1880 war der Aufstieg des Footballs unaufhaltsam, allerdings nur an den Colleges. Für Sport, insbesondere Football, hatten damals nur die Studenten Zeit. Die breite Arbeiterklasse hatte wirklich ganz andere Probleme, da die meisten, die den Sprung über großen Teich gewagt hatten, oft nur die Ärmsten der Armen waren.
Trotz seiner steigenden Popularität, war der Anfang unseres Jahrhunderts das düsterste Kapitel dieses Spiels. Es mehrten sich Härte, Gewalt und sogar die Todesfälle.
Leider wird der Football hierzulande auch heute noch, oft nur mit diesem Abschnitt des Spiels in Verbindung gebracht.
Damals standen sich die Spieler an der Line of Scrimmage noch Auge in Auge gegenüber, und sie traktierten sich gegenseitig mit Tritten und Schlägen. Erst 1903 wurde die neutrale Zone eingeführt, die durch die Länge des Balles gekennzeichnet ist, und sorgte so für den nötigen Abstand. An den Kleidungsstücken der Spieler wurden damals Ledergriffe befestigt, um die Gegner so vom Griff nach den Haaren abzuhalten. Die Ballträger hatten allerdings nach wie vor sehr wenig zu lachen, und 1905 waren gar 18 Tote und 159 Schwerverletzte zu beklagen.
Eine New Yorker Tageszeitung forderte die Abschaffung der brutalsten, gefährlichsten und unnötigsten Sportart, die von irgendeinem Land der Erde offiziell gefördert wurde. Zahllose Erzieher, Geistliche und Eltern stimmten dem zu. Das Foto eines blutigen, geschundenen Spielers in der Zeitung zwang schließlich den Amerikanischen Präsidenten, Theodore Roosevelt, dazu, führende Vertreter des College Footballs zu sich ins Weiße Haus zu zitieren. Er drohte mit einem Verbot des Spiels für den Fall, daß der Gewalt kein Einhalt geboten würde.
In einer sofort einberufenen Sitzung wurden die Spielregeln geändert. Zum Beispiel betrug die Mindestdistanz zu einem Ersten Versuch von nun an 10 Yards und der Vorwärtspass wurde eingeführt. Damit begann ein neues Footballverständnis. Nicht nur Kraft und körperliche Überlegenheit zählten fortan, sondern auch Strategie und Taktik.

Die ersten Profis

1913 bewies Quarterback Gus Dawns mit seinen Pässen auf Rute Rocknee, daß seine wesentlich schwächere Notre Dame Universität, die als unschlagbar geltende Militärakademie besiegen konnte. Dawns und Rocknee übten täglich am Strand das Paßspiel und überraschten die Jungs vom Militär sosehr, daß diese 39:13 verloren. Das war der Beginn der Legende des Teams von Notre Dame.

Neben dem College-Football führte der Profifootball damals ein absolutes Schattendasein.
Wir werden uns von jetzt an dennoch ausschließlich den Profis, speziell der NFL, zuwenden.
Das älteste NFL Team sind die Phoenix Cardinals, deren Ursprünge über Canton und Massillon bis ins Jahr 1898 zurückreichen.
Der erste Footballprofi war William (Pudge) Heffelfinger, der nach einem Einsatz für die Allgheny Athletic Association (AAA) gegen den Pittsburgh Athletic Club (PAC), 500$ Prämie erhielt plus 25$ Spesen. Das war am 13.11.1892. Heffelfinger war der entscheidende Spieler der Begegnung. Er nahm den Fumble eines Teamkameraden auf und lief damit einen 25 Yards Touchdown, dem einzigen Punktgewinn in einem 4:0 AAA Sieg.
Eine Woche später bekam Ben Donelly, auch von der AAA, 250$ für einen Einsatz gegen Washington und Jefferson College.

Anfang des 19. Jahrhunderts hatte sich der Profifootball über ganz Amerika ausgebreitet. 1902 und 1903 wurde in New York City eine World Series abgehalten. Diese wurde 1902 vom Syracuse (New York) Athletic Club gewonnen, und 1903 hieß der Gewinner Franklin (Pennsylvania) Athletic Club.
In den frühen 20ern verlagerte sich das Zentrum des Profifootballs in den Staat Ohio. Seit 1896 wurde hier jedes Jahr ein Staatsmeister ausgespielt.
Das Shelby Team, bekannt als die Blues, war einer der ersten Clubs in Ohio, der professionell wurde, 1902. Sie beschäftigten den ersten bekannten schwarzen Footballspieler, Charles Follis. In Ohio gab es zu dieser Zeit wenigstens acht Proficlubs.

Canton, Ohio, sorgte für die aufsehenerregendste Verpflichtung eines Spielers. Sie brachten 1915 Jim Thorpe dazu, bei ihnen zu unterschreiben. Thorpe war der meistgefeierte Athlet der Welt. Er war ein Sac and Fox Indianer aus Oklahoma. Er war ein All-America Halfback an der Carlisle Indian Industrial School. 1912 gewann er Goldmedaillen im Fünf- und Zehnkampf, bei den Olympischen Spielen in Stockholm, Schweden.
Thorpe half Canton 1916 die Staatsmeisterschaft zu gewinnen.

Die NFL wird gegründet

1920 war der professionelle Football immer noch sehr locker organisiert, obwohl die besten Teams meist ein- oder zweimal gegeneinander spielten während der Saison. Aber eine besser organisierte Liga tat Not, besonders im Hinblick auf drei gewichtige Probleme, die den Profifootball zu zerstören drohten. Das größte Problem war das, der steigenden Gehälter, bei sehr geringen Zuschauerzahlen. Es wurde ein Gehaltslimit gefordert. Das hatte auch damit zu tun, daß Spieler von Club zu Club wechselten, immer dem besten Angebot folgend. Das war zugleich das zweite Problem. Das dritte Problem war der Einsatz von Collegespielern, die noch zur Schule gingen. Diese spielten Samstags für ihr College und Sonntags, unter falschem Namen, für die Profis. Diese Machenschaften schädigten das Ansehen der Proficlubs in der Öffentlichkeit.

Am 20. August 1920 trafen sich vier Vertreter der Ohioteams, und sie gründeten die American Professional Football Conference. Sie einigten sich darauf, keine Collegespieler mehr einzusetzen, die noch zur Schule gingen. Sie boten keinem Spieler, der hier repräsentierten Clubs, mehr Geld, um ihn abzuwerben, und sie setzten einen Gehaltshöchstbetrag fest.
Eine zweite Versammlung wurde am 17. September 1920 abgehalten, und es trafen sich die Vertreter der Muncie Flyers, Racine Cardinals, Rock Island Indipendents, und den Ohioteams, Akron Pros, Dayton Triangles, Canton Bulldogs, und weiteren drei Vereinen, darunter die Decatur Staleys, die George Halas als ihren Vertreter schickten. Auf dieser Versammlung wurde der Name APFC in American Professional Football Association umgewandelt. Zwei Jahre später wurde die Vereinigung in National Football League umbenannt, und deshalb ist dieser 17. September der offizielle Geburtstag der NFL.
In der Hoffnung, von seinem Ruhm profitieren zu können, wurde Jim Thorpe zum Präsidenten der Liga gewählt.
Jeder Club mußte 100$ Mitgliedsbeitrag zahlen. Außerdem gab jeder Club eine Liste seiner Spieler von 1920 ab, mit der Option, diese Spieler auch 1921 wieder ins Team aufnehmen zu dürfen. Die Spielplanung lag jedoch immer noch bei den Clubs selber, was zu einer sehr unterschiedlichen Menge an Spielen pro Team führte. Aus dem Jahre 1920 gibt es auch noch keine offizielle Meisterschaftstabelle. Die gibt es erst seit 1921 und da stehen die Staleys an erster Stelle mit 10-1-1 Punkten, vor den Buffalo All-Americans, mit 9-1-2 Punkten.

1922 zog Halas mit den Staleys von Decatur nach Chicago, da dem Sponsor das Geld ausgegangen war. Er änderte den Namen des Clubs in CHICAGO BEARS um, und, zusammen mit den Cardinals, sind sie der einzige noch existierende Club aus den Gründertagen der NFL.
Halas holte sich Spieler ins Team, die anderen Vereinen nicht gut genug waren, und machte sie zu Stars. Sein größter Fischzug war die Verpflichtung von Harold "Red" Grange, DEM Collegestar der 20er.

1925 kaufte sich ein Buchmacher, namens Tim Mara, in New York die Lizenz für ein Footballteam. Keine gute Entscheidung zu der damaligen Zeit, wo der große Apfel übersättigt war, mit hervorragendem Sport.
Zum ersten Spiel der Giants, einer 0:14 Niederlage gegen die Frankford Yellow Jackets, kamen zwar 25.000 Zuschauer, aber das Interesse ließ schnell nach, obwohl das Team siegreich war.
Am 6. Dezember kamen die Chicago Bears mit Red Grange nach New York, und 73.000 Zuschauer strömten in das Stadion, um Grange zu sehen. Die Bears trugen dieselben dreckigen Jerseys, die sie schon am Vortag bei ihrem Spiel in Philadelphia getragen hatten, vor der NFL Rekordkulisse von 40.000 Zuschauern.
Und jetzt 73.000 Fans, deren 130.000$ Eintrittsgelder Mara vor dem Ruin retteten. Mehr als 125 Reporter waren bei diesem Spiel anwesend.

Red Grange spielte sein letztes Collegespiel vor 85.000 Zuschauern, einer Rekordkulisse. Nur zwei Tage später wurde er Profi. Sein Agent, C.C. (Cash and Carry) Pyle, legte ein Angebot vor, dem weder Grange, noch die Bears widerstehen konnten: Die Chance für jeden, viel Geld zu machen.
Granges Entscheidung war deshalb so unverständlich, weil Profifootball 1925 als dreckiges, kleines Geschäft angesehen wurde, das von schmierigen Schleimern ausgeübt wurde. Der Club in Milwaukee mußte aufgeben, weil er High-School Spieler einsetzte. Die Vereine saßen in solchen Kaffs, wie Pottsville, Providence, Green Bay, und so weiter. An guten Tagen kamen 400-500 Besucher. Profifootball wurde als etwas betrachtet, wie wir heute Rollerball ansehen würden.
Grange spielte sein letztes Collegespiel Samstags, sprach mit den Bears sonntags, unterschrieb am Montag bei ihnen, und er spielte sein erstes Profispiel am Erntedanktag, donnerstags. Was folgte, waren die 66 Tage, die den Profifootball machten.

Grange verdiente über 100.000$

Der Spielplan der Bears war eine Kreuzung zwischen regulären Saisonspielen und Showspielen. Zum ersten Spiel, gegen die Chicago Cardinals, erwartete Halas 5.000 Zuschauer. Die 20.000 Eintrittskarten, die er hatte drucken lassen, waren in drei Stunden ausverkauft. Eine Menge von 36.000 drängte sich schließlich, an einem verschneiten Tag, in das Stadion. Kein NFL Spiel hatte vorher so viele Zuschauer gehabt.
St. Louis, Washington, Boston... die Züge trugen den galoppierenden Geist, und die anderen 17 Bären, quer durch die Staaten. Wo immer sie hinkamen, war es daßelbe: Grange war ein Ereignis.
Auf jeder Station der Reise verteilte Halas Presseerklärungen, die er selber geschrieben hatte.
An einem Spieltag erreichten die Einnahmen 200.000$. Pro Football war plötzlich in aller Munde.

In Detroit kurierte Grange eine Muskelzerrung und einen Bluterguß im linken Arm aus und konnte nicht spielen. Mehr als 20.000 Fans wollten ihr Eintrittsgeld zurückhaben. Das Spiel, und das nächste, am folgenden Tag, waren die einzigen, in denen Grange nicht spielte. Am Ende der Tournee war Grange in einem bedauernswerten Zustand, aber er lächelte, als er Pyle sah und sagte:" Mach, daß ich mich gut fühle. Sag mir, wie reich ich bin." Grange hatte mehr als 100.000$ verdient.
Grange und die Bears hatten acht Tage, um sich zu erholen, bevor Pyle sie auf die nächste Tournee schickte. Diese ging über neun Spiele. Sie begann am Weihnachtstag in Miami und endete am 31. Januar in Seattle.
Auf der Station in Los Angeles wurde mit 75.000 Zuschauern wieder ein neuer Rekord aufgestellt. Der galoppierende Geist und seine Bären hatten nun 19 Spiele in 17 Städten in 66 Tagen absolviert, das waren pro Woche zwei Spiele. In regulären Saisonspielen holten sie 9-5-3 Punkte und wurden siebte in der Tabelle.

Das waren die 66 Tage, die den Profifootball etablierten, und die den Grundstein zu seinem riesigen Erfolg legten.
Dennoch dauerte es weitere vier Jahre, bis Football für die Massen interessant wurde, auch wenn Grange nicht spielte.
1929 verpflichtete George Halas jemanden, der noch nie etwas mit Football zu tun gehabt hatte, um das Spiel zu inspirieren. Der Name dieses Mannes war Ralph Jones, Halas' ehemaliger Basketballtrainer an der Universität. Er war sehr innovativ in jenen Tagen und ein guter Lehrer. Er machte Football zu Amerikas populärster Sportart.

Bis Jones kam, stellten sich sieben Männer eines Teams beinahe Schulter an Schulter auf. Der Center warf den Ball zu einem der vier Backs, der dann versuchte, durch die Line zu laufen, oder um sie herum. Spielzug für Spielzug endete so in einem Riesenknubbel. In manchen Spielen machte keine Mannschaft mehr als 50 Yards Bodengewinn, und viele Partien endeten punktlos. Jones schlug vor, die Line auszuweiten, doch Halas meinte, daß dann die Verteidiger schneller ins Rückfeld gelangen könnten. Jones stimmte dem zu, doch er behauptete, daß, wenn die Gegner ins Rückfeld kämen, die Backs schon weg wären.
Jones erfand völlig neue Taktiken, gab jedem Spieler spezielle Aufgaben. Der Center gab den Ball an den Quarterback, der dicht hinter ihm stand und eine Hand an der Hüfte des Centers hatte. Bevor der Ball gespielt wurde, war ein Spieler in Bewegung, um die Verteidigung zu verwirren. Täuschung wurde eine Haupttaktik.
Jones brachte den Bears bei, daß man den Gegner nicht unbedingt zu Boden bringen müsse, sondern daß es ausreichte, ihn solange aufzuhalten, bis der Quarterback genügend Zeit gehabt hätte, den Ball zu passen.
Plötzlich machte Football mehr Spaß. Grange meinte, daß man jetzt nicht nur Kraft brauchte, sondern auch Intelligenz. Jetzt tauchte ein neues Problem auf: Wenn die Bears so hoch führten, daß der Gegner keine Chance mehr hatte, verließen viele Zuschauer frühzeitig das Stadion. Wenn ein schwacher Gegner zu Besuch kam, blieben sie gleich ganz zu Hause.

Halas verstand, daß die Leute ein Spiel sehen wollten, keine Demonstration. Für die Zuschauer ist das beste Spiel eines, das in der letzten Sekunde entschieden wird.

Das erste Playoff-Spiel

Die besten Teams holten sich die besten Spieler, und die Liga wurde einseitig. Das sahen auch die anderen Besitzer ein. 1935 wurde deswegen die Draft ins Leben gerufen. Jeder Club listete abgehende Collegespieler auf, an denen er interessiert war. Die Listen wurden eingesammelt, und die Manager trafen sich. Nacheinander wählte jetzt jeder seinen Spieler aus. Der Manager des schlechtesten Teams des Vorjahres hatte die erste Wahl, und der des Meisters war als letzter an der Reihe.
Die Spieler waren mit diesem System überhaupt nicht einverstanden, da sie nun nicht mehr zum meistbietenden Club gehen konnten, und sie so große Geldverluste hinnehmen mußten. Halas gab ihnen recht, aber ihm lag nur das Wohl der Liga am Herzen, und er beharrte auf der Einberufung.
Das System funktionierte sehr gut. Die Bears, bis dahin die Monster des Mittelwestens die niemand schlagen konnte, konnten erst 1940 wieder eine Meisterschaft für sich entscheiden.

Halas hatte mal wieder einen Trick auf Lager. Er, Ralph Jones und Clark Shaughnessy, studierten Filme des Endspielgegners, der Washington Redskins. Hierbei fiel ihnen auf, daß die Linebacker der Redskins immer ihre Position änderten, dem Mann in Bewegung folgend. Dadurch wurden sie verwundbar für Spielzüge, bei denen sich der Ballträger entgegengesetzt zum Fluß der Defense in Bewegung setzte. Das war das ganze Geheimnis, und es klappte hervorragend. Die Bears gewannen 73:0, dem bis heute höchsten Sieg in der Geschichte der NFL.

1941 standen die Bears im ersten Playoffspiel der NFL Geschichte. Zu Beginn der Saison 1941 entschied sich die NFL dazu, einen ersten Platz ausspielen zu lassen, wenn zwei Teams einer Division die gleiche Punktzahl hätten. Sofort gab es diese Situation. Green Bay und Chicago hatten beide 10-1 Punkte in der Western Division. In dem daraus resultierenden ersten Playoffspiel der NFL gewannen die Bears mit 33:14 gegen die Packers.
Die Bears gewannen auch die Weltmeisterschaft mit 37:9 gegen die Giants, doch das interessierte in Amerika niemanden, denn zwei Wochen zuvor hatten die Japaner Pearl Harbor überfallen und die Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg verwickelt.

Der 2. Weltkrieg

Zum Beginn der Saison 1942 hatten viele Spieler ihren Dienst in der Armee angetreten, und die Clubs mußten ihre Mannschaften aus Spielern zusammenstellen, die nicht Wehrdiensttauglich waren. Verständlicherweise gingen die Zu- schauerzahlen in den Keller, von 1.108.615, 1941, auf nur noch 887.920.
1943 bemerkten die Leute, daß man beim Football wunderbar von den Schrecken des Krieges abgelenkt wurde, und die Besucherzahlen stiegen wieder an. Die Liga war von zehn auf acht Teams zusammengeschrumpft. Die Cleveland Rams hatten sich für ein Jahr vom Ligabetrieb abgemeldet, und die Philadelphia Eagles schlossen sich mit den Pittsburgh Steelers unter dem Namen "Phil-Pitt Steagles" zusammen.
1944 meldeten sich die Cleveland Rams wieder zurück, und mit den Boston Yanks kam ein neuer Club dazu, um die Liga wieder auf zehn Clubs aufzustocken. Die Eagles trennten sich nach einem 5-4-1 Jahr wieder von den Steelers, und Pittsburgh schloß sich daraufhin mit den Chicago Cardinals als "Card-Pitt" Team zusammen. Aber auch diese Ehe dauerte nur eine Saison.
Mit der Kapitulation der Japaner am 2. September 1945 endete der Zweite Weltkrieg, und die Spieler, die in der Armee gedient hatten, kehrten in die NFL zurück.

Während des Krieges hatte man damit begonnen, die Spieler der Angriffs- und Verteidigungsreihen voneinander zu trennen, damit diese körperlich weniger fitten Spieler nicht zu sehr belastet wurden. Diese Form der Spezialisierung in eine Offense- und Defensemannschaft hatte sich bewährt und wurde beibehalten, wenn auch nicht sofort in der Form, daß man alle 11 Spieler auswechseln durfte.
Als der Vertrag des NFL Vorsitzenden, Elmer Layden, 1946 nicht verlängert wurde, erhielt Bert Bell, der Besitzer der Pittsburgh Steelers, diesen Posten. In seinen Bemühungen, den Vorkriegszustand wiederherzustellen, reduzierte er die Zahl der Spieler, die auf einmal ausgetauscht werden durften, auf drei.
Die Zuschauerzahl für die Saison 1946 erreichte die neue Rekordmarke von 1.732.135 Besuchern. Die Cleveland Rams zogen nach Los Angeles um. Damit erstreckte sich die NFL von Küste zu Küste, und war erstmals wirklich eine "Nationale" Liga.

1946 entstand eine Konkurrenzliga zur NFL, die All American Football Conference. Das war nichts neues, denn bereits 1926, 1936-37 und 1940-41 hatte es Konkurrenzligen gegeben, alle unter dem Namen AAFC. Doch diesmal waren die Voraussetzungen anders. Diese Liga war gut organisiert, und die Leute hatten jetzt Geschmack am Football bekommen. Die NFL hatte alle Gründe, diese Herausforderung ernst zunehmen.
1947 waren einige Spieler in die AAFC übergelaufen, und es entbrannte ein Gehälterkrieg um junge Collegespieler. In den Mannschaften wuchs die Spielerzahl auf 35 pro Team an, und ein fünfter Schiedsrichter, der Back Judge, wurde eingeführt.

1948 wurde der Gehälterkrieg zwischen der AAFC und der NFL immer heißer. Zahlreiche Spieler unterschrieben ersteinmal bei Clubs beider Ligen, um dann den besseren Vertrag zu erfüllen.

Seit 1947 wurden Plastikhelme angeboten, die die alten Lederhelme ablösen sollten. Da viele dieser neuen Helme jedoch während des Spiels zu Bruch gingen, wurden sie schnell verboten. 1948 waren die Plastikhelme jedoch verbessert worden und durften wieder benutzt werden.
Fred Gehrke, ein Spieler der Rams, bemalte seinen Helm mit Hörnern und sicherte sich damit einen Platz in der Geschichte der NFL, indem er die Helminsignien erfand.

1949 gab es kein Team mehr, weder in der AAFC, noch in der NFL, das den Gehälterkrieg unbeschadet überstanden hatte. Besonders die Green Bay Packers waren in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten. Aber am 9. Dezember kam ein vier Jahre dauernder Krieg zu einem Ende, indem sich die beiden Ligen zusammenschlossen. Dieser Zusammenschluß war mehr eine Übernahme von drei AAFC Teams in die NFL, nämlich der Baltimore Colts, der Cleveland Browns und der San Francisco 49ers.
Während der Vorbereitungen auf die Saison 1950 gab es unter Footballfans nur ein Thema: Wie würden die drei Neuen in der alten Liga abschneiden ?

Die Übermacht der Browns

Die Experten gaben den Cleveland Browns die größten Chancen, ein bißchen mitspielen zu können, da sie die AAFC seit deren Bestehen absolut dominiert hatten. Inklusive der Playoffspiele hatten sie einen Rekord von 52-4-3 Punkten. In den Augen vieler hatte Head Coach Paul Brown, nach dem der Club benannt worden war, ein sensationelles Team. Running Back Marion Motley riß Löcher in die gegnerischen Verteidigungslinien. Quarterback Otto Graham hatte zwei hervorragende Ziele, mit Mac Speedie und Dante Lavelli. Aber konnten sie in der NFL bestehen ?
Diese Frage beantworteten die Browns sofort in ihrem ersten Spiel, in dem sie auf den amtierenden Meister der NFL, die Philadelphia Eagles, trafen. Sie fertigten die Eagles mit 35:10 ab und bewiesen in der Folgezeit, daß das kein Ausrutscher war.

Die NFL mußte den Umständehalber reorganisiert werden, und die jetzt dreizehn Clubs wurden in die American und die National Conference geteilt. Diese Conferences hatten aber nichts mit der heute bekannten AFC und NFC zu tun.
In der AC spielten die Chicago Cardinals, Cleveland Browns, New York Giants, Philadelphia Eagles, Pittsburgh Steelers und die Washington Redskins.
Die NC bestand aus den Baltimore Colts, Chicago Bears, Detroit Lions, Green Bay Packers, Los Angeles Rams, New York Yanks und den San Francisco 49ers.
In diesem Jahr wurde auch das Austauschen kompletter Mannschaftsteile endgültig eingeführt. Dennoch spielten auch weiterhin einige Eisenmänner mit, so wie Philadelphias Chuck Bednarik. Selbst 1960 spielte er noch als Center in der Offense und als Linebacker in der Defense. Im Meisterschaftssieg gegen die Packers, 1960, stand er 58 von 60 Minuten auf dem Platz.

Die Los Angeles Rams schlossen 1950 den ersten Vertrag mit einer Fernsehgesellschaft ab, die alle Spiele des Teams Live übertragen wollte. Ein Sponsor entschädigte den Club für Einnahmeeinbußen, die ihm, gemessen an den Besucherzahlen des Vorjahres, durch diese Übertragungen entstanden. Der Sponsor mußte den Rams 307.000$ zahlen.
Die Redskins folgten diesem Beispiel sofort, während andere Teams nur den Übertragungen einzelner Spiele zustimmten.
Die Cleveland Browns entsetzten die Fans der etablierten NFL, indem sie in ihrer ersten Saison sofort die Meisterschaft gewannen. 20 Sekunden vor Ende des Endspiels schoß Lou Groza ein 16 Yard Field Goal zum 30:28 Sieg über die L.A. Rams.

Vor Beginn der 1951er Saison schrumpfte die Zahl der NFL Teams auf 12, da die Baltimore Colts aufgaben. Auch am Ende dieser Saison standen die Browns gegen die Rams im Endspiel, doch diesmal siegten die Rams mit 24:17.
Vor der Saison 1952 wurden die New York Yankees an die NFL verkauft, und der Club spielte von nun an in Dallas. Von 1952 bis 1954 hieß die Endspielpaarung jeweils Browns gegen Lions. 1952 und `53 gewann Detroit mit 17:7, bzw. 17:16, doch 1954 gewannen die Browns mit 56:10.
Im Endspiel von 1955 stand Cleveland dann wieder den Rams gegenüber. Los Angeles hatte mit den Wide Receivers "Crazylegs" Hirsch, Tom Fears, Dan Towler, und Quarterback Norm Van Brocklin, noch vier Starter aus der siegreichen 51er Mannschaft im Aufgebot. Das konnte die Browns aber nicht davon abhalten, mit einem 38:14 Sieg ihren dritten NFL Titel in sechs Jahren zu gewinnen.

Die letzten fünf Endspiele waren alle Live im Fernsehen übertragen worden, und zwar von Küste, zu Küste. 1956 sendete CBS jede Woche ein ausgewähltes Saisonspiel. In der ganzen Nation wuchs das Interesse am Football. Die Besucherzahlen gingen von 25.356 pro Spiel in 1950, hoch auf 35.026 in 1955.
Die Glanzzeit der Browns ging zu Ende, und 1956 wurden sie nur vierte in ihrer Gruppe. Cleveland setzte seine Hoffnungen auf eine erneute Meisterschaft auf einen Running Back, namens Jim Brown, den sie in der Draft 1957, als sechsten Spieler insgesamt, einberiefen.

Die AFL wird gegründet

Jim Brown wurde der größte Running Back aller Zeiten. Jedenfalls hielt dieser Titel bis vor kurzer Zeit, als er von Walter Payton abgelöst wurde. Jim Brown wurde sofort in seiner Rookiesaison bester Läufer der Liga, ein Titel, den er sich insgesamt Achtmal holte, in seiner neunjährigen Karriere. In 58 Spielen lief er über 100 Yards. Insgesamt lief er für 12.312 Yards, bei durchschnittlichen 5,22 Yards/Lauf.
Die Browns sahen ihre Hoffnungen erfüllt, denn sie erreichten wieder das Endspiel. Hier verloren sie jedoch gegen die Detroit Lions mit 59:14.
1958 sah dann das Endspiel zwischen den Colts und den Giants, von dem schon in dem Kapitel "Einleitung" die Rede war.

Die Saison 1959 hatte gerade begonnen, als Bert Bell am 11. Oktober, während er sich das Heimspiel der Eagles gegen Pittsburgh ansah, an einem Herzinfarkt verstarb. Der Schatzmeister der NFL, Austin Gunsel, wurde zum Interimspräsidenten ernannt, bis 1960 Pete Rozelle zum Vorsitzenden gewählt wurde.
Die Besitzer der NFL Clubs hatte nicht gerade auf Rozelle gewartet, denn erst nach 23 Wahlgängen in 10 Tagen, hatte George Halas seinen Schützling auf den Thron heben können. Was für ein einmaliger Glücksfall Pete Rozelle für die Liga war, sollte sich noch herausstellen. (Mehr darüber im Kapitel: "Pete Rozelle"). Sofort wartete eine Riesenherausforderung auf den neuen Chef der Liga, in Form einer gerade gegründeten Konkurrenzliga - der American Football League, AFL -.

1964

Die Jets schnappen den Giants Fullback Matt Snell in der Draft weg. Die Redskins draften einen zukünftigen Ruhmeshaller, Charly Taylor. Ein weiterer zukünftiger Ruhmeshaller, Paul Warfield, geht nach Cleveland.
* * *
Pete Rozelle möchte mehr Geld vom Fernsehen für die Übertragungsrechte von NFL Spielen.
Im Ballsaal eines New Yorker Hotels werden drei versiegelte Umschläge geöffnet, in denen die TV Anstalten CBS, NBC und ABC Gebote machen. NBC wird als die Anstalt erwartet, die das höchste Angebot abgibt, da sie noch keinen Football auf wöchentlicher Basis überträgt, aber alleine für das NFL Endspiel 1963 1 Million Dollar bezahlt hat. Weit gefehlt, mit einem Angebot von 21,5 Millionen Dollar, werden sie nur abgeschlagen letzte. ABC bietet 26,4 Millionen, was aber auch nicht reicht. Den Zuschlag bekommt CBS für 28,2 Millionen Dollar.
Obwohl der Vertrag vorsieht, daß Spiele der Heimmannschaft nicht von den lokalen Sendern übertragen werden dürfen, dürfen später beginnende Spiele anderer Teams übertragen werden. Durch diese "Doubleheader" soll verhindert werden, daß in manchen Regionen an einem Spieltag nur AFL Spiele zu sehen sind.
* * *
NBC bekommt auch seinen wöchentlichen Football. Die Gesellschaft schließt einen Fünfjahresvertrag über 36 Millionen Dollar mit der AFL ab. Die treibende Kraft dieses Handels ist der Besitzer der Jets und MCA Präsident, Sonny Werblin, ein enger Freund von NBC Präsident, Bob Kinter.
* * *
Die Jets ziehen aus den alten Polo Grounds in das neugebaute Shea Stadion, in Queens, um. Shea ist das erste Stadion, in dem man verschiedene Sektionen der Tribünen verschieben und so Football und Baseball in einem Stadion spielen kann.
* * *
Die meisten Spieler steigen auf knöchelfreie, leichte Schuhe um.
* * *
Houston End, Charley Hennigan, stellt mit 101 gefangenen Pässen einen neuen Saisonrekord auf.
* * *
Vor 79.544 Zuschauern im Cleveland Municipal Stadion dirigiert Quarterback Frank Ryan seine Browns zu einem der größten Überraschungssiege in der Geschichte des Footballs, einem 27:0 über die Baltimore Colts im NFL Endspiel.
* * *
Jack Kemp passt für 188 Yards, und Cookie Gilchrist für weitere 122. Damit verhelfen sie Buffalo zu einem 20:7 Sieg über San Diego im AFL Endspiel
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